Kadetten - Freischaren - Hono-lulu!

"Das Ganze bildete ein sehr unterhaltendes Schauspiel"

Zehn Jahre vor der Gründung des Kantons Aargau (1803) wurde 1793 in Lenzburg ein Kadettencorps ins Leben gerufen. Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert später finden im Zusammenhang mit den Manöverübungen am Jugendfest-Nachmittag erstmals Freischaren Erwähnung. Dies mit Bezug auf die wilden Horden, die damals unter dem deutschen Revolutionskämpfer Ludwig Blenker in Deutschland für Unruhe sorgten. Im Lenzburger "Wochenblatt und Anzeiger" wird wie folgt über den brütend heissen Nachmittag des Jugendfestes von 1852 berichtet:

"Ausserordentliche Hitze drückte Geist und Körper darnieder. Unsere munteren Kadetten bezogen gleich nach zwei Uhr einen Lagerplatz, wurden da inspiziert, und bestanden im Exerzieren und Manövrieren gut. Während sie einige Pelotonfeuer ausführten, fing es an im benachbarten Niederwald sich zu regen, und hervor brach, eine abenteuerliche Freischar, welche sich nach und nach dem Lagerplatz näherte und unter Hurrarufen und Gewehrsalven die Kadetten angriff.

Diese aber brachen aus; Jägerkolonnen verteilten sich links und rechts; in der Mitte blieb eine Sturmkolonne zusammen und warf die kecken Angreifer bis auf die Höhe des Waldhügels zurück. Von da aber machten sie einen zweiten, verzweifelten Angriff, drängten die Kadetten auf die Seite und nahmen ihnen den Lagerplatz weg, wo sie Wache ausstellten und sich gütlich taten.

Erst jetzt hatte man Gelegenheit die Freischärler näher zu betrachten und sie boten ein lebhaftes Conterfey des Blenker'schen Frei- und Raubkorps dar, welches den Lenzburgern noch vom Jahre 1849 her, als es hier durchzog und bewirtet wurde, im Angedenken ist.

Bald aber fassten die Kadetten neuen Mut, den verlorenen Lagerplatz wieder zu erobern; sie verteilten sich in verschiedene Angriffskolonnen, nahmen auch eine Kanone zu Hülfe und drängten endlich unter heftigem Gewehrfeuer die Freischaren hinaus, die dann noch bei ihrer Retirade die Lagerhäuschen und Schanzkörbe angezündet hatten. (...) Das Ganze bildete ein sehr unterhaltendes Schauspiel und trug wesentlich zur Belebung des Ganzen und besonders zur Freude der Kadetten bei."

Kadetten

 

Kadettencorps am Jugendfest 1944

 

Die ersten Kadettenkorps entstanden in der Schweiz bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Kadettenkorps boten Knaben der oberen Schulstufen unter militärischer Leitung wöchentlich einen mehrstündigen Unterricht. Der Unterricht beschränkte sich nicht nur auf den Waffengebrauch alleine, sondern sollte vielmehr den stolzen Söhnen der Patrizier und reichen Stadtbürger eine gesellschaftliche Schulung vermitteln. Einer der Hauptinitianten bei der Gründung des Lenzburger Kadettenkorps 1793 war der Lenzburger Unternehmer Gottlieb Hünerwadel.

In den Jahren nach 1830 kam im Aargau ein neuer lebendiger Geist in die Kadettenkorps. Es ist die Zeit der glänzenden Kadettenfeste, die durch Gottfried Kellers Schilderungen im "Grünen Heinrich" Eingang in die Weltliteratur gefunden haben.
Immer wieder wurde versucht, den Kadettenunterricht an der Schule zu reformieren und mit anderen Aktivitäten zu verbinden.

Am 3. Dezember 1972 hiessen die Stimmberechtigten des Kantons Aargau eine Änderung des Schulgesetzes gut, mit welcher der Kadettenunterricht aufgehoben wurde. 1974 wurde auch das Lenzburger Kadettenkorps aufgelöst, lebt aber seither alle zwei Jahre für kurze Zeit wieder auf. Als von der Freischaren-Commission betreutes freiwilliges Kadettenkorps rüstet es sich alle zwei Jahre in der Jugendfestwoche, um beim Freischarenmanöver den wilden Horden der kampf- und beute-lüsternen Freischaren mit disziplinierter Taktik entgegenzutreten und ihrem Treiben Einhalt zu gebieten. Seit dem Jugendfest 2000 können auch Mädchen im freiwilligen Kadettenkorps mitwirken. Das freiwillige Kadettenkorps setzt sich aus Schülerinnen und Schülern der Oberstufe sowie der 5. Primarklasse der Regionalschule Lenzburg zusammen.

Freischarenmanöver

 

Freischarenmanöver 1911 - Die wilden Horden besammeln sich auf dem (heutigen) Freischarenplatz

 

Für das Jahr 1852 lässt sich erstmals die Mitwirkung von Freischaren am Jugendfest nachweisen. Der Stadtrat bestimmte, "dass den jungen Leuten, die am Fest den Kadetten entgegenstehen werden, eine Flasche Wein und Brot per Mann auf Kosten der Gemeinde abgegeben werden".

Nach Unterbrechungen wegen des 1. Weltkrieges setzten die Freischarenmanöver 1924 wieder ein. Seither findet das Freischarenmanöver alle zwei Jahre (in den geraden Kalenderjahren) statt.

Manöver-Ruf "Hono-lulu!"

 

Gustav Ferdinand Zeiler, Erfinder des Manöverrufs "Hono-lulu!", hoch zu Ross am Jugendfest 1954

 

Feldschreiber Heiner Halder (HH.) ist in einer Salzkornkolumne im Lenzburger Bezirks-Anzeiger im Juli 2014 der Frage nachgegangen, wer den legendären Freischaren-Manöverruf "Hono-lulu" (Zugführer ruft "Hono", Freischarenhorden antworten "lulu!" - und das Ganze immer drei Mal) erfunden hat:

"`Honolulu!` - wer hats erfunden? Die erste urkundliche Erwähnung des Freischaren-Schlachtrufs stammt aus einem Protokoll des Freischaren-Comitées, in welchem Boris Schwarz am 3. September 1928  im Rückblick auf das Manöver festhält: `Ein Kriegsruf (Honolulu) hat sich als vorteilhafter Faktor des Corpsgeistes erwiesen.` Als Erfinder gilt Gustav Ferdinand Zeiler. Der Sohn des Hero-Gründers besuchte 1911/12 zwecks Studium der Ananas-Plantagen Hawaii und die Hauptstadt Honolulu. Nebst Conserven-Know-how wird er wohl den wohlklingenden Ruf heimgebracht haben."

Freischarenprotkoll Manöver 1956

Freischarenprotokoll Manöver 1958

Stephan Gurini, Freischarengeneral seit 2012
Urs F. Meier, Freischarengeneral 1988 und 1991 und von 2002 bis 2010
Max Schwarz, Freischarengeneral von 1982 bis 1986 und von 1990 bis 2000
Milo Stutz, Freischarengeneral 1958 bis 1980
Gustav F. Zeiler, Freischarengeneral 1950, 1952 und 1956
Alfred Disch, Freischarengeneral 1948 und 1954
Otto Pfiffner-Fischer, Freischarengeneral 1930
Boris Schwarz-Fischer, Freischarengeneral 1928
Dr. Jean Eich, Freischarengeneral 1924 und 1926